Übermut1939, 1251, Paul Klee

Über­mut
1939, 1251, Paul Klee

 

Sozu­sa­gen grund­los ver­gnügt

Ich freu mich, dass am Him­mel Wol­ken zie­hen
Und dass es reg­net, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grü­nen Jah­res­zeit,
Wenn Hecken­ro­sen und Holun­der blü­hen.
- Dass Amseln flö­ten und dass Immen sum­men,
Dass Mücken ste­chen und dass Brum­mer brum­men.
Dass rote Luft­bal­lons ins Blaue stei­gen.
Dass Spat­zen schwat­zen. Und dass Fische schwei­gen.

Ich freu mich, dass der Mond am Him­mel steht
Und dass die Son­ne täg­lich neu auf­geht.
Dass Herbst dem Som­mer folgt und Lenz dem Win­ter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahin­ter,
Wenn auch die Neun­mal­klu­gen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf ver­ste­hen!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles auf­ge­räumt und hei­ter:
Die Die­le blitzt. Das Feu­er ist geschürt.
An sol­chem Tag erklet­tert man die Lei­ter,
Die von der Erde in den Him­mel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vor­ge­schrie­ben,
- Weil er sich sel­ber liebt — den Nächs­ten lie­ben.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schö­ne
Und an das Wun­der nie­mals ganz gewöh­ne.
Dass alles so erstaun­lich bleibt, und neu!
Ich freue mich, dass ich … Dass ich mich freu.

Mascha Kalé­ko