Adalina.Silvio Huonder

An einem son­ni­gen Sonn­tag­mor­gen im Novem­ber steht Johan­nes Macu­lin, acht­und­dreis­sig, Gra­fi­ker, auf dem Bahn­hofs­platz einer Stadt in Grau­bün­den. Er ist eine Nacht lang unter­wegs gewe­sen, mit dem Zug aus Ber­lin. Ohne Gepäck steht er da, an den Füs­sen die neu­en Schu­he, in der Man­tel­ta­sche die Rück­fahr­kar­te, und schaut hin­auf zu den umlie­gen­den Ber­gen. Ein Sonn­tags­spa­zier­gang, denkt er.
Wäh­rend er wider­stre­bend die ver­trau­ten Koor­di­na­ten sei­ner Hei­mat­stadt neu zusam­men­setzt, die Rhein­stras­se, das Eltern­haus, die Erlö­ser­kir­che, den Dal­eu-Fried­hof, die Gas­sen der Alt­stadt, keh­ren die Erin­ne­run­gen zurück. Zuerst in Fet­zen, spä­ter in zusam­men­hän­gen­den Bil­dern. Die Vor­wür­fe der Eltern, die Demü­ti­gun­gen der Mit­schü­ler, das Räto­ro­ma­ni­sche des Gross­va­ters und Ada­li­na, die ihn, Macu­lin, je älter bei­de wer­den, um so stär­ker anzieht.

 

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