Zer­stör­tes Laby­rinth 1939,46 (Y 6)

 

 

An mei­ne Schwester

In mei­nem Spiegel
seh ich dich
berüh­re zag­haft unser
wund­ver­trau­tes Lieben
ver­gass zur Erntezeit
die Trau­ben zu brechen
mondlos
wohnt alles im Ungesagten
salzlos
blei­ben die Tränen
die geweint um dich
im Nebel hängen
plötzlich
kurz vor dem Fall
zar­tes federn dei­ner Stimme
in mei­nen Träumen
hab mich an dein Grab gestellt
ganz lei­se wächst dein Atem
in mein Herz

 

© Manue­la Mühlethaler
(auf­ge­nom­men in die Antho­lo­gie der
Biblio­thek deutsch­spra­chi­ger Gedichte)

 

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