Alter Klang, 1925,236 (X 6)

Ein rhyth­mi­sches Gefü­ge von Qua­dra­ten und Recht­ecken, die sich nach einem unsicht­ba­ren Gesetz zu einem Satz zusam­men­fü­gen. Man sieht weder Anfang noch Ende, das The­ma der im Rhyth­mus ein­ge­fan­ge­nen Vier­ecke kommt offen­sicht­lich aus rei­ner Medi­ta­ti­on und ist aus Bis­he­ri­gem nicht zu bele­gen.

Die Bezie­hung zur Musik ist offen­kun­dig, nicht nur im Rhyth­mus, auch im Auf­bau der Far­ben, im Satz­bau. Klee spricht hier Din­ge an, sie sich schwer in Wor­te fas­sen las­sen und aus­ser mit Mathe­ma­tik auch mit Magie zusam­men­fas­sen. In Klees Papie­ren fand man einen Notiz­zet­tel mit dem Grund­plan eines sei­ner „Qua­drat­bil­der“ (er mal­te meh­re­re davon), in die Qua­dra­te waren Zah­len ein­ge­schrie­ben, lau­fen­de, rück­läu­fi­ge und unter­bro­che­ne Zah­len­rei­hen, wahr­schein­lich, um die dyna­mi­schen Bezie­hun­gen bes­ser über­se­hen zu kön­nen. Die waag­rech­ten und senk­rech­ten Quer­sum­men erga­ben die glei­che Zahl wie beim „magi­schen Qua­drat“. Man denkt an Arnold Schön­bergs Zwölf­ton­theo­rie, die zeit­lich mit die­sen Bil­dern Klees zusam­men­fällt. Auch bei Klee könn­te man von einer Grund­rei­he von Tönen spre­chen, aus denen das Werk abge­lei­tet wird. Gesetz­mäs­sig­keit, Ver­nunft, Magie.

Die Qua­dra­te und Recht­ecke lagern sich in zwölf Rei­hen, hori­zon­tal wie ver­ti­kal. Sie sind in der Grös­se ziem­lich gleich, nicht, wie oft, nach innen zu klei­ner, als ob sie der Mit­te zueil­ten. Das Dun­kel der Peri­phe­rie löst sich nach dem Zen­trum in Hel­lig­keit auf, soll man sagen, auch in Wär­me? Sind aber nicht die äus­se­ren braungrau­en Qua­dra­te eher warm als kalt?

Alter Klang beti­telt Klee, und die­ses Alte ist zugleich Pati­na: Alt­ro­sa, ver­bli­che­nes Grau­vio­lett, Nea­pel­gelb, Rese­da­grün und dann die zahl­lo­sen Bre­chun­gen nach Braun und Grau. Abs­trakt auf Schwarz ist der Unter­ti­tel, alle Qua­drat­bil­der sind auf schwar­zen Grund gemalt, und auf Schwarz sind Klee die far­bi­gen Wer­te beson­ders schwer aus­zu­ba­lan­cie­ren. Das Schwarz aber soll­ten wir gar nicht ver­ste­hen, es sei der Urgrund. In sei­ner Tie­fe woh­ne das Unver­gleich­li­che.

Der Sinn? In gewis­sen Bil­dern, sagt Klee, deu­te das eine oder ande­re auf das Urbild­li­che, es sei meist ver­hüllt durch Gemach­tes, das wie ein Fremd­kör­per wir­ke. Aber das Ich sei auch noch da und sor­ge dafür, dass in allen Fäl­len die Fäden zum Urbild­li­chen erhal­ten blie­ben, auch dort, wo die Bezie­hun­gen nicht mehr fest­stell­bar sei­en (aus sei­nem Unter­richt).
Quel­le: Will Groh­mann, Der Maler Paul Klee, Dumont ›Biblio­thek gros­ser Maler‹