Dreit­ac­te im Geviert, 1930,45 (N 5)

Es sind drei Bil­der, die Klee 1930 in eng­ver­wand­tem Sin­ne gemalt hat, die Dreit­ac­te im Geviert, rhyth-misches und Rhyth­mi­sches stren­ger und frei­er. Die ers­ten bei­den sind schwarz, weiss und grau, das letz­te far­big: schwarz, braun, grau und blau. Unser Bild ist die ers­te Fas­sung, und für Klee war es die gelun­gens­te, er bedau­er­te sei­nen Ver­kauf und es ist mög­lich, dass er die nächs­ten bei­den Fas­sun­gen mal­te, um einen Ersatz für den ent­schwun­de­nen musi­ka­li­schen Ent­wurf zu haben. Sei­ne Poly­thyth­mie ent­steht durch die Ver­klam­me­rung der Qua­dra­te, bzw. Vier­ecke in der Hori­zon­ta­le, der Ver­ti­ka­le und der Dia­go­na­le; wel­che Far­be man auch ver­folgt, immer ergibt sich nach rechts, nach links und nach oben ein kla­rer Rhyth­mus.

Ver­mut­lich hat das Schach­brett bei dem Ent­wurf Pate gestan­den, aber sei­ne «gleich­mäs­si­ge Glie­de­rung ist ohne Reis des Zuneh­mens oder Abneh­mens… Das Form­re­sul­tat ist trotz Viel­falt unpro­duk­tiv» (Form­leh­re). Durch Bewe­gung ent­ste­hen höhe­re Ein­hei­ten, die divi­du­el­len Quan­ti­tä­ten wer­den zu indi­vi­du­el­len Qua­li­tä­ten, der ›Dreit­act‹ löst den Schach­brett­cha­rak­ter auf und ver­wan­delt den Ent­wurf in ein musi­ka­li­sches Ereig­nis. Die Ungleich­mäs­sig­kei­ten der Fel­der, von denen die schwar­zen line­ar abge­grenzt, die grau­en nach den weis­sen  zu ver­flies­send sind, erzeugt Raum­zeit­lich­keit, aber auch Klang und ruft nach musi­ka­li­schen Asso­zia­tio­nen. Sie lie­gen auf dem Gebiet der poly­pho­nen Musik. Hat Klee an Bach gedacht, den er früh­mor­gens spiel­te, wenn er sich in Form brin­gen woll­te? Etwas Fugen­haf­tes ist Dreit­ac­te im Geviert nicht abzu­spre­chen, und sogar ein The­ma könn­te man sich ein­bil­den, wenn man den Ablauf der ver­schie­den brei­ten schwar­zen, grau­en und weis­sen Recht­ecke ver­folgt. Dass Klee das Gan­ze mit einem brei­ten, brau­nen Rand ein­rahmt bewirkt eine grös­se­re Inti­mi­tät und ver­leiht dem lei­den­schaft­li­chen Blatt mehr Wär­me.
Quel­le: Will Groh­mann, Der Maler Paul Klee, Dumont ›Biblio­thek gros­ser Maler‹