Unter den zahl­rei­chen Wer­ken, die im Zusam­men­hang mit der Tunis­rei­se ent­stan­den sind, fin­det sich das Aqua­rell in der Ein­öde. Mit gros­ser Sou­ve­rä­ni­tät ver­bin­det Klee hier das Atmo­sphä­ri­sche mit For­men des künst­le­ri­schen Aus­drucks, die er in den Jah­ren vor dem Ers­ten Welt­krieg erar­bei­tet hat­te. So war er 1912 nach Paris gereist, wo er sich inten­siv mit Arbei­ten von Geor­ges Braque, Pablo Picas­so und Rober Delau­ney aus­ein­an­der­setz­te. Die kubis­ti­sche Kom­po­si­ti­ons­wei­se und Delau­nays abs­trak­te «Fens­ter­bil­der» fas­zi­nier­ten ihn. Delau­ney wie­der­rum zeig­te sich von Klee begeis­tert. Der Fran­zo­se bat den Künst­ler­kol­le­gen, sei­nen berühm­ten Auf­satz «La lumiè­re» ins Deut­sche zu über­set­zen, wobei Klee auch sei­ne eige­ne Auf­fas­sung von Licht und Far­be ein­flies­sen liess. Die neue For­men­spra­che gibt sich in den Aqua­rel­len von 1914 zu erken­nen. Der Künst­ler schich­tet Qua­dra­te, Drei- und Recht­ecke über- und neben­ein­an­der und lässt die ein­zel­nen Far­ben in Bezie­hung zuein­an­der tre­ten.
Der ursprüng­li­che Titel des Bil­des war Kamel in der Ein­öde. Durch das Ent­fer­nen des Wor­tes ›Kamel‹ wird der Betrach­ter von dem Zwang befreit, nach einem ganz bestimm­ten Motiv zu suchen, und kann sich dadurch umso mehr der ›rei­nen Male­rei‹ wid­men.
Saal­text Fon­da­ti­on Beye­ler, Aus­stel­lung ‹Paul Klee. Die abs­trak­te Dimen­si­on›
1. Okto­ber 2017 bis 21. Janu­ar 2018