zur Über­sicht Leben und Werk

Die Linie bei Paul Klee

«Nul­la dies sine Linia“, so lau­tet die Devi­se Paul Klees.
Kein Tag ohne Linie.

Zwi­schen 1918 und 1927 erar­bei­tet Klee eine aus­ge­klü­gel­te Lini­en­theo­rie, der er in den fol­gen­den Jah­ren nur noch weni­ge Aspek­te hin­zu­zu­fü­gen hat. In der Kunst unter­schei­det er «drei for­ma­le Din­ge», auf die er in sei­nem Jena­er Vor­trag «Linie, Hell­dun­kel­tö­ne und Far­be». In sei­ner Schöp­fe­ri­schen Kon­fes­si­on (1920) gesteht er ihr «Aus­druck, Dyna­mik und Psy­che» zu. Paul Klees Defi­ni­ti­on der Linie: Spur eines in Bewe­gung gera­te­nen Punk­tes.

Aus Anlass sei­ner am 19. Janu­ar 1924 eröff­ne­ten Bil­der­aus­stel­lung im Jena­er Kunst­ver­ein im Prin­zes­sin­nen­sch­löß­chen hielt Klee am 26. Janu­ar sei­nen bekannt gewor­de­nen Jena­er Vor­trag, den der Künst­ler in sei­ner Zeit am Bau­haus ver­fass­te und der erst­mals 1945 pos­tum unter dem Titel Über die moder­ne Kunst im Ver­lag Ben­te­li, Bern-Büm­plitz, ver­öf­fent­licht wur­de. Klee ent­wi­ckel­te dar­in das ver­glei­chen­de Bild vom Baum, sei­nen Wur­zeln und der Kro­ne, der Künst­ler spielt dar­in den Stamm in der Rol­le des Ver­mitt­lers, um „aus der Tie­fe Kom­men­des zu sam­meln und wei­ter­zu­lei­ten“. Nach Klee soll­te die moder­ne Kunst im Ver­wand­lungs­pro­zess „das ver­än­der­te umge­form­te Abbild der Natur“ ent­ste­hen las­sen. Was die Kubis­ten „créa­ti­on et non imi­ta­ti­on“ nann­ten, for­mu­lier­te Klee als „Wie­der­ge­burt der Natur im Bil­de.“

In sei­nen Tage­bü­chern, Brie­fen, Auf­sät­ze und Vor­les­gungs­ma­nu­skrip­ten fin­den sich zahl­rei che Aus­sa­gen über das Wesen der Linie, ihre Ent­ste­hung, ihre Funk­ti­on im Bild­werk, ihre Wahr­neh­mung und ihr Aus­drucks­po­ten­ti­al. Schon früh haben Lini­en­ge­stal­ten den jun­gen Künst­ler fas­zi­niert. Den Lini­en in der Natur, am ruhen­den und beweg­ten mensch­li­chen Kör­per, in den bil­den­den Küns­ten und selbst in der Musik und im Tanz nach­zu­spü­ren und ihre Geset­ze zu erfor­schen, gehört zu sei­nen frü­hes­ten Stu­di­en­zie­len.

 

Sen­si­bi­li­tät für Lini­en­struk­tu­ren in der Natur ist ein cha­rak­te­ris­ti­sches Merk­mal der Jugend­stil­künst­ler. Tho­mas Mann spricht 1898 in Gla­di­us Dei von dem in Mün­chen herr­schen­den «Kul­tus der Linie»

Phi­lo­so­phen, Psy­cho­lo­gen, Gra­pho­lo­gen, Künst­ler und Kunst­his­to­ri­ker ent­wi­ckeln zu Anfang des 20. Jahr­hun­derts in Mün­chen Theo­rien über die Eigen­schaft uns den Aus­druck von Lini­en und machen die Haupt­stadt des König­reichs Bay­ern zu einer «Hoch­burg der Lini­en­theo­rie». Zu kei­ner Zeit und an kei­nem Ort wur­de in Deutsch­land mehr über das Phä­no­men der Linie nach­ge­dacht und geforscht.

Nul­la dies sine linea“ – Kein Tag ohne Linie

  • Die Linie kommt nicht nur in sei­ner täg­li­chen Pra­xis vor, son­dern ihr kommt auch in sei­ner Kunst­theo­rie eine Schlüs­sel­stel­lung zu.
  • Päd­ago­gi­sches Skiz­zen­buch als auch in sei­nem ers­ten Vor­le­sungs­zy­klus am Staat­li­chen Bau­haus in Wei­mar begin­nen mit einem Para­gra­phen über die Linie.
  • Sie bil­det den Schwer­punkt sei­nes Unter­richts.
  • Vor­le­sung am 9.1.1923 (aus dem Päd­ago­gi­schen Nach­lass): „Von der Linie wis­sen wir schon man­ches, weil wir sie am aus­gie­bigs­ten gebraucht haben.“
  • Tho­mas Mann spricht in Gla­di­us Dei (Schwert Got­tes) von dem in Mün­chen herr­schen­den „Kul­tus der Linie“.

Die Kunst blüht, die Kunst ist an der Herr­schaft, die Kunst streckt ihr rosen­um­wun­de­nes Zep­ter über die Stadt hin und lächelt. Eine all­sei­ti­ge respekt­vol­le Anteil­nah­me an ihrem Gedei­hen, eine all­sei­ti­ge, fleis­si­ge und hin­ge­bungs­vol­le Übung und Pro­pa­gan­da in ihrem Diens­te, ein treu­her­zi­ger Kul­tus der Linie, des Schmu­ckes, der Form, der Sin­ne, der Schön­heit obwal­tet… Mün­chen leuch­te­te.

  • Phi­lo­so­phen, Psy­cho­lo­gen, Gra­pho­lo­gen, Künst­ler und Kunst­his­to­ri­ker ent­wi­ckeln zu Anfang des 20. Jahr­hun­derts in Mün­chen Theo­rien über die Eigen­schaf­ten und den Aus­druck von Lini­en und machen die Haupt­stadt des König­reichs Bay­ern zu einer „Hoch­burg der Lini­en­theo­rie“. Zu kei­ner Zeit und an kei­nem Ort wur­de in Deutsch­land mehr über das Phä­no­men der Linie nach­ge­dacht und geforscht.
  • Uner­forscht sind die Quel­len auf deren Grund­la­ge sei­ne Refle­xio­nen über die Linie ent­wi­ckel­ten. Klee erwähnt in sei­nen Lini­en­theo­rien nicht eine ein­zi­ge Refe­renz, wäh­rend er sich in sei­ner Far­ben­leh­re expli­zit auf sei­ne gros­se Vor­gän­ger bezieht. „Ich will ver­su­chen, Ihnen eini­ges Nütz­li­che über die Far­ben zu sagen. Ich stüt­ze mich dabei nicht allein auf mich sel­ber, son­dern über­neh­me, um Ihnen die­se nütz­li­chen Din­ge zu über­mit­teln ohne Beden­ken Gedan­ken von Leu­ten vom Fach und von ande­ren. Um eini­ge weni­ge Namen her­aus­zu­grei­fen nen­ne ich Göthe, Phil­ipp Otto Run­ge, des­sen Farb­ku­gel 1810 publi­ziert wur­de, Del­a­croix und Kan­din­sky (das Geis­ti­ge in der Kunst)“.
    Was sei­ne Lini­en­leh­re anbe­trifft, so kommt Klee eben­so wenig ohne die Vor­ar­bei­ten „von Leu­ten vom Fach“ aus, doch ver­schweigt er ihre Namen. Anschei­nend fühlt er sich auf die­sem Gebiet so hei­misch, dass er ohne den Ver­weis auf die Pio­nie­re der Lini­en­theo­rie aus­zu­kom­men glaubt. Ein wei­te­rer Grund für das Feh­len jeg­li­cher Refe­renz in sei­ner Lini­en­leh­re liegt in dem von Klees Zeit­ge­nos­sen beklag­ten For­schungs­de­fi­zit auf die­sem Gebiet.

 

Träger für ein Schild, 1934, 72 (M112)

Trä­ger für ein Schild, 1934, 72 (M112)

3-K216-Y7-B

Klee, Dieser Stern lehrt beugen/1940

Klee, Paul
1879-1940.
'Dieser Stern lehrt beugen', 1940,
344 (F4).
Pastose Kleisterfarben auf Papier,
37,8 x 41,3 cm.
Bern, Sammlung Felix Klee.

E:
Klee / Dieser Stern lehrt beugen / 1940

Klee, Paul
1879-1940.
- 'Dieser Stern lehrt beugen', 1940. -
344 (F4).
Impasto glue and paint mixture on paper,
37.8 x 41.3cm.
Bern, Felix Klee Collection.

Die­ser Stern lehrt beu­gen 1940

Was fehlt ihm 1930

Was fehlt ihm 1930