Kai­ru­an, vor den Tho­ren (nach eine Skiz­ze von 1914), 1921,4

Im Früh­jahr 1914 reis­te Paul Klee mit sei­nen Künst­ler­kol­le­gen Lou­is Moil­liet und August Macke für zwei Wochen nach Tune­si­en und besuch­te Tunis, Kai­rou­an und Ham­ma­met. Die drei Maler tauch­ten in ein Land vol­ler Geheim­nis­se und Wun­der ein. Unter dem Ein­druck der leuch­ten­den Land­schaf­ten, der ara­bi­schen Kul­tur und der ori­en­ta­li­schen Archi­tek­tur ent­deck­te Klee in Kai­rou­an die Inten­si­tät des Lichts und der Far­be. «Die Far­be hat mich, ich brau­che nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiss das. Das ist der glück­li­chen Stun­de Sinn: ich und die Far­be sind eins. Ich bin Maler.» Und in einer wei­te­ren Notiz im Tage­buch des Künst­lers heisst es: «Tau­send­und­ei­ne Nacht als Extrakt mit neun­und­neun­zig Pro­zent Wirk­lich­keits­ge­halt. Welch’ ein Aro­ma, wie durch­drin­gend, wie berau­schend, wie klä­rend zugleich.»
Sie­ben Jah­re nach der Tunis­rei­se ent­stand das Aqua­rell Kai­ru­an, vor den Tho­ren (nach einer Sciz­ze von i9i4), eine Bild­ar­chi­tek­tur aus fun­keln­den Qua­dern, in der land­schaft­li­che Moti­ve nur noch eine Neben­rol­le spie­len. Die Tunis­rei­se war für Klee ein Schlüs­sel­er­leb­nis auf dem Weg zur Abs­trak­ti­on und blieb bis in die 1930er-Jah­re eine wich­ti­ge Inspi­ra­ti­ons­quel­le.
Saal­text Fon­da­ti­on Beye­ler, Aus­stel­lung ‹Paul Klee. Die abs­trak­te Dimen­si­on›
1. Okto­ber 2017 bis 21. Janu­ar 2018