Der Niesen 1915, 250

Der Nie­sen, 1915,250, Paul Klee

Mach mich zum Wäch­ter dei­ner Weiten,
mach mich zum Hor­chen­den am Stein,
gieb mir die Augen auszubreiten
auf dei­ner Mee­re Einsamsein;
lass mich der Flüs­se Gang begleiten
aus dem Geschrei zu bei­den Seiten
weit in den Klang der Nacht hinein.

Schick mich in dei­ne lee­ren Länder,
durch die die wei­ten Win­de gehn,
wo gros­se Klös­ter wie Gewänder
um unge­leb­te Leben stehn.
Dort will ich mich zu Pil­gern halten,
von ihren Stim­men und Gestalten
durch kei­nen Trug mehr abgetrennt,
und hin­ter einem blin­den Alten
des Weges gehn, den kei­ner kennt.

Rai­ner Maria Rilke
aus dem «Stun­den-Buch»