Zeich­nung zum <Tanz des trau­ern­den Kin­des>, 1921,186

Tanz des trau­ern­den Kin­des, 1922,11

Ölpau­se, Aqua­rell und Tin­te, teil­wei­se gespritzt, auf Papier, mit Aqua­rell und Feder ein­ge­fasst, auf Kar­ton.

Tanz des trau­ern­den Kin­des II, 1922,20

Ölpau­se und Ölfar­be auf Krei­de­grun­die­rung auf Gaze mit auf­ge­kleb­ten Lein­wand­fä­den, oben und unten Rand­strei­fen mit Aqua­rell und Feder, auf Kar­ton

«Tanz des trau­ern­den Kin­des» zeigt ein schwe­ben­des Kind mit einer Pfau­en­fe­der in der Hand. Sein Mund ist herz­för­mig, auf der Wan­ge einen Regen­schirm. Das eine Auge zwin­kernd geöff­net, das ande­re geschlos­sen. Klee zeigt das Kind auch in «kind­li­cher Manier: Vor allem der über­gros­se Kopf des klei­nen Mäd­chens, dane­ben aber auch das sicht­ba­re Sich-Über­schnei­den der Arme und des Rump­fes las­sen an Kin­der­zeich­nun­gen den­ken.»
Dem sicht­ba­ren Froh­sinn des tan­zen­den Kin­des, scheint die im Bild­ti­tel erwähn­te Trau­rig­keit zunächst zu wider­spre­chen, obgleich der Schirm im Gesicht des Kin­des als Motiv der Trau­er gedeu­tet wer­den kann. Doch für Klee sind die­se bei­den Pole kenn­zeich­nend für den gan­zen Lebens­weg des Men­schen, aber nur das Kind ver­mag die­sen Wider­spruch noch ‘unge­trennt’ in sich zu tra­gen. Das Kind «nimmt mit sei­nem ange­bo­re­nen Bild- und Sym­bol­be­wusst­sein stän­dig die gan­ze Wahr­heit des Lebens auf», das Wesen des Kin­des ist «Ver­trau­en und Unbe­fan­gen­heit, denn es kennt kei­ne Feind­schaft, höchs­tens Fremd­heit, die es in Bekannt­schaft umwan­deln kann.» Sicht­bar­ma­chung ist für Klee das Ziel und so ste­hen­Leich­tig­keit und Schwe­re, Zuver­sicht und Ver­zagt­heit sym­bol­haft für den Zustand des labi­len Gleich­ge­wichts, ver­gleich­bar mit der Hal­tung des Seil­tän­zers. So könn­te denn auf dem zwei­ten Blick die Bewe­gung des Kin­des «weni­ger als tän­ze­ri­sche Hal­tung, denn als das Bemü­hen um Gleich­ge­wicht» ver­stan­den wer­den.
Sich von den Wer­ten kind­li­cher Unbe­fan­gen­heit lei­ten las­send, geht Klee immer wie­der den Weg künst­le­ri­scher Selbst­re­fle­xi­on. Bereits 1909 notiert er in sein Tage­buch: «Wenn bei mei­nen Sachen manch­mal ein pri­mi­ti­ver Ein­druck ent­steht, so erklärt sich die­se ‘Pri­mi­ti­vi­tät’? aus mei­ner Disci­plin auf weni­ge Stu­fen zu redu­zie­ren. Sie ist nur Spar­sam­keit, also letz­te pro­fes­sio­nel­le Erkennt­nis. Also das Gegen­teil von wirk­li­cher Pri­mi­ti­vi­tät.»

Quel­le: Balan­cie­ren im Zwi­schen. Zwi­schen­be­rei­che bei Paul Klee. Bern­hard Marx, 2007

 

Ölpau­se
Paul Klee ent­wi­ckel­te das Ölpaus­ver­fah­ren als eine beson­de­re Form der Mono­ty­pie. Er bestrich einen Papier­bo­gen mit Ölfar­be und leg­te auf die­se Flä­che ein Blatt Papier, dar­auf eine schon fer­ti­ge Zeich­nung. Mit einer Nadel über­trug er dann die Kon­tu­ren und auch Bin­nen­struk­tu­ren der Zeich­nung auf das auf­lie­gen­de Blatt. Nach dem Tro­cken­vor­gang aqua­rel­lier­te Klee die­se Zeich­nung. So blieb die Ori­gi­nal­zeich­nung erhal­ten und dien­te ihm oft mehr­fach als Vor­la­ge für eine far­bi­ge Aus­ar­bei­tung, wie bei­spiels­wei­se bei dem Bild «Tanz des trau­ern­den Kin­des».

Zwi­schen 1921 und 1924 nutz­te er die­se Tech­nik sehr häu­fig. Die Pau­se hat­te dann die gewünsch­te Wir­kung: zar­te und manch­mal leicht ver­schlei­er­te Lini­en und durch den Druck der Hand und die Rei­bung ver­ur­sach­te zusätz­li­che Tup­fen und Spu­ren schwar­zer Ölfar­be.
wei­te­re Ölpau­sen-Bil­der

 

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