Not­tur­no für Horn, 1921,91

Der Begriff Not­tur­no weist in der Musik auf ein träu­me­ri­sches Nacht­stück hin, das sich durch das Feh­len einer fest­ge­leg­ten Satz­struk­tur aus­zeich­net. Auch Klees Not­tur­no für Horn ist ein unkon­ven­tio­nel­les Spiel mit einem Aus­gangs­the­ma: Im unte­ren Bild­strei­fen ist der Kopf eines Horn­spie­lers zu erken­nen, des­sen Blas­in­stru­ment als Ver­län­ge­rung sei­nes Mun­des erscheint. Das glei­che kegel­för­mi­ge Ton­mo­tiv wird asso­zia­tiv drei wei­te­re Male in die obe­ren Bild­strei­fen ein­ge­bun­den, wo es schein­wer­fer­ar­tig in grel­lem Gelb aus den dunk­le­ren Farb­fel­dern her­vor­tönt. Die Aus­brei­tung des Klan­ges in den Raum ist in kris­tal­li­nen For­men und rot­to­ni­gen Farb­ab­stu­fun­gen wie­der­ge­ge­ben, die Klees Ide­en zur Poly­pho­nie spie­geln. Not­tur­no für Horn ent­stand aus einem Aqua­rell, das Klee in drei Teil­strei­fen zer­schnitt und als Col­la­ge auf dunk­lem Kar­ton neu mon­tier­te. Die­se Mon­ta­ge asso­zi­iert musi­ka­li­sche Satz­fol­gen und die Über­ein­an­der­la­ge­rung unter­schied­li­cher Klän­ge. Im Unter­richt am Bau­haus ver­trat Klee die Auf­fas­sung, dass »freie­res kom­po­si­tio­nel­les Schal­ten mit den gewon­ne­nen For­men« eine Grund­la­ge bild­ne­ri­scher Tätig­keit dar­stel­le. In sei­nen zer­schnit­te­nen und neu zusam­men­ge­füg­ten Wer­ken fin­det die­se Maxi­me eine bild­haf­te Form, ver­gleich­bar mit einer musi­ka­li­schen Impro­vi­sa­ti­on.

aus: Das Uni­ver­sum Klee, Kata­log zur gleich­na­mi­gen Aus­stel­lung in der Neu­en Natio­nal­ga­le­rie vom 31. Okto­ber 2008 bis 8. Febru­ar 2009.  

 

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