Advent, Advent, ein Licht­lein brennt. Die vor­weih­nacht­li­che Zeit ist ange­bro­chen. Geschäf­ti­ges Trei­ben in den Kauf­lä­den, Scho­ko­la­den­weih­nachts­män­ner an vor­ders­ter Front im Super­markt, Stras­sen­be­leuch­tung auf weih­nacht­lich getrimmt, immer mehr Häu­ser die mit unzäh­li­gen klei­nen Lämp­chen geschmückt sind, wel­che nachts die Stras­sen in hel­lem Licht erstrah­len las­sen. Rie­si­ge Weih­nachts­ster­ne, ange­bracht an den Stras­sen­la­ter­nen des Städt­chens, säu­men die Stras­se und ver­mit­teln am Abend mit ihrem war­men Licht eine fei­er­li­che, weih­nacht­li­che Stim­mung. Nur scha­de, dass Frau Hol­le kei­ne Lust hat, die­se Zeit mit einer weis­sen Schnee­pracht weih­nacht­lich zu gestal­ten. Obwohl vor weni­gen Wochen die ers­ten rie­si­gen Schnee­fäl­le her­nie­der­gin­gen, sieht die Land­schaft sehr grün aus. War­me Tem­pe­ra­tu­ren haben den Novem­ber­schnee schnell dahin­ge­rafft.
Die ers­ten Win­ter­im­pres­sio­nen gab es Mit­te Novem­ber. Ein paar Tage vor dem gros­sen Schnee­fall war es schon klir­rend kalt und der Boden war hart gefro­ren. Der Win­ter hat­te sich also ange­kün­digt, aber vor­be­rei­tet war dann doch nie­mand auf ihn. Vor allen die Auto­fah­rer fal­len jedes Jahr aufs neue unvor­be­rei­tet in die­se Jah­res­zeit, mit ihren eis­glat­ten Stras­sen, die das Auto­fah­ren zu einem gefähr­li­chen Wag­nis machen.
An jenem Novem­ber-Frei­tag, mor­gens um 7.00 Uhr jeden­falls, war auf den Schwei­zer Stras­sen das Cha­os per­fekt. Abschlepp­wa­gen hat­ten Hoch­kon­junk­tur. Wer nicht abge­schleppt wer­den konn­te, ver­harr­te hilf­los auf dem Pan­nen­strei­fen der Auto­bahn. Der Schnee­fall woll­te kein Ende neh­men. Gros­se, dicke Schnee­flo­cken fie­len schnell und wild durch­ein­an­der­tan­zend zu Boden und mach­ten in Win­des­ei­le die Arbeit der Räum­fahr­zeu­ge zunich­te, die den ver­kehrs­be­hin­der­ten Schnee rasch von den Stras­sen ent­fer­nen soll­ten. Weis­se Hüt­chen bil­de­ten sich auf der Ober­kan­te der Stras­sen­schil­der, man­che die­ser Weg­wei­ser waren der­art schnee­ver­weht, dass man nichts mehr auf ihnen lesen konn­te.
Das Radio­pro­gramm wur­de immer wie­der von Stras­sen­zu­stands­be­rich­ten unter­bro­chen. Die Funk­spre­cher warn­ten ein­dring­lich vor Schnee- und Eis­glät­te und baten um erhöh­te Vor­sicht im Stras­sen­ver­kehr an die­sem Mor­gen. Wie es schien umsonst, denn in kur­zen Abstän­den waren Drei­ecks­schil­der mit rotem Rand und der Auf­schrift ›Unfall‹ am Stras­sen­rand zu sehen und die Poli­zei war an man­chem Ort sogar gezwun­gen, den Ver­kehr höchst­per­sön­lich zu regeln. Eine Auto­bahn­aus­fahrt war sogar ganz gesperrt, dort hat­te sich ein grös­se­rer Unfall ereig­net, dem man nicht so schnell Herr wer­den konn­te. Auf einer Sei­te der Auto­bahn ver­lief der Ver­kehr äus­serst zäh­flüs­sig. Auf der Gegen­sei­te war er völ­lig zum Erlie­gen gekom­men. Es war klar, dass die Men­schen an die­sem Mor­gen für den Weg zu ihrer Arbeit die dop­pel­te Zeit brau­chen wür­den.
Man­che Auto­fah­rer ver­lies­sen die­sen Tumult über die noch zu befah­ren­den Auto­bahn­aus­fahr­ten, trotz­dem wur­de die Auto­schlan­ge immer län­ger. Der Win­ter hat­te Ein­zug gehal­ten und unser Land mit zen­ti­me­ter­ho­hen Schnee bedeckt. In Erwar­tung einer end­lich ein­mal „Weis­sen Weih­nacht“ ertrug man die­se unan­ge­neh­me Sei­te der kal­ten Jah­res­zeit und war­te­te gedul­dig dar­auf, dass die Blech­la­wi­ne einen wie­der frei­gä­be.
Inzwi­schen konn­te die zwei­te Ker­ze auf dem Advents­kranz ange­zün­det wer­den. Die Wie­sen zei­gen wie­der ihr win­ter­lich fades Grün. Die vor­weih­nacht­li­che Stim­mung ist bei den Men­schen durch den feh­len­den Schnee ein wenig getrübt, trotz­dem wird das Weih­nachts­fest vor­be­rei­tet. In den Back­stu­ben der Haus­frau­en ent­steht in müh­sa­mer Klein­ar­beit schmack­haf­tes Weih­nachts­ge­bäck. Der süs­se Duft von geba­cke­nen Zims­ter­nen, Mai­län­der­li, Anis­bröt­li, Spitz­bu­ben und noch vie­lem mehr zieht durch die Kor­ri­do­re der Häu­ser.
Die ers­ten Geschen­ke für mei­ne Lie­ben habe ich besorgt und bereits sorg­fäl­tig mit Weih­nachts­pa­pier ein­ge­packt, das mit gol­de­nen Ster­nen und Mon­den bedruckt und mit einem dun­kel­blau­en Band umwi­ckelt ist. Der Kon­trast des Schmuck­ban­des zur hell­blau­en Hin­ter­grund­far­be des Papiers macht das Geschenk­päck­chen zu einer Augen­wei­de. In sol­chen Momen­ten zweif­le ich nicht mehr dar­an, dass Schen­ken an dazu bestimm­ten Tagen nötig sei.
In jedem Städt­chen fin­det zu die­ser Zeit ein klei­ner Weih­nachts­markt statt. Auch in unse­rem Städt­chen bie­ten zahl­rei­che Stän­de ihre Waren feil. Heis­se Geträn­ke wie Tee, Punsch oder Glüh­wein wer­den ange­bo­ten. Ich gön­ne mir einen Glüh­wein in der Hoff­nung, dass mei­ne kal­ten Füs­se und die steif­ge­fro­re­nen Hän­de wie­der warm wer­den. So ein Bum­mel über den Markt macht aller­dings sehr müde und aus die­sem Grun­de schla­ge ich den Weg nach Hau­se ein. Gekauft habe ich nichts auf die­sem Weih­nachts­markt, aber ich neh­me eine weih­nacht­li­che Stim­mung mit nach Hau­se, die hof­fent­lich bis zum Fest und viel­leicht dar­über hin­aus dau­ern wird.

 

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